Weihnachtskonzert des Liederkranz „Eintracht“ Hellershof

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Hänle

Schon knapp eine Stunde vor Konzertbeginn fanden sich die ersten Besucher in der heimeligen Hellershofer Dorfkirche ein, die beim Weihnachtskonzert des Hellershofer Liederkranzes wieder bis auf den letzten Platz gefüllt war.

„Machet die Tore weit“ ist die berühmte sechsstimmige Adventsmotette von Andreas Hammerschmidt (1611-1675).
Daran angelehnt schuf Willy Trapp einen wuchtigen Männerchorsatz, den der Liederkranz, begleitet von Orgel und Instrumentalensemble zu Beginn vortrug.
Das Thema des sich Öffnens für das Kommen des Erlösers, des sich Bereitmachens klingt auch an im schlichten „Seht es kommt die heilige Zeit“. In der Jugendbewegung griff man gerne auf alte Melodien und Themen des Weihnachtsfestes zurück – so auch auf das Thema der Verkündigung der Geburt Christi in dem Lied „Maria war alleine“ zu einer Melodie von 1602, schön, schlicht und dennoch ausdrucksvoll von Bernd Weller vorgetragen.

Auch das „Ave Maria“ passt in diesen Zusammenhang. Der dem flämischen Komponisten Jacob Arcadelt (1504 -1568) zugeschriebene, fast etwas romantisch anmutende A-capella-Chorsatz gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts.

„Mettenjodler“ aus Südtirol geboten

Die aus dem zweiten Teil der Jahresfeiern des Chores bekannte und von Martin Fordinal geleitete und begleitete Singgruppe gestaltete den adventlichen Teil mit dem anrührenden „Mettenjodler“ aus Südtirol und dem schlichten „Sing ma im Advent“, beides im wirkungsvollen Arrangement von Lorenz Maierhofer. Der erste Teil des Konzerts endete mit dem gemeinsamen Lied „Tochter Zion“.
Zu den von der Jugendbewegung wiederentdeckten Liedern gehört auch „Es kommt ein Schiff geladen“, eines der ältesten Weihnachtslieder. Zusammen mit zwei Liedern aus Ungarn (Es kam ein Engel) und Frankreich (Gloria in excelsis Deo) über Engel und Hirten auf den Fluren Bethlehems wurde es von den Männern der „Eintracht“ schön gestaltet vorgetragen, ergänzt durch eine Hirtenweise der Instrumentalgruppe.

Eines der aus Amerika stammenden Weihnachtslieder, das sich im Gegensatz zu „Jingle Bells“ und „Santa Claus“ wirklich mit der Weihnachtsgeschichte befasst, ist „O Little Town of Bethlehem“, das auf Deutsch auch im Evangelischen Gesangbuch (Nr.55) zu finden ist. Bekannt wurde es auch durch die Interpretationen von Elvis Presley, Ella Fitzgerald, Bob Dylan und anderer Künstler der Pop-Branche. Der aus Chicago stammenden Sandländer Sänger Chris Macchini trug es vor – natürlich sehr sauber und in tadellosem Englisch.

Die Melodie des folgenden Liedes „Hark the Herald Angels sing“ stammt von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Text ist, wie Pfarrer Bauer erläuterte, von Charles Wesley, einem der Begründer der methodistischen Bewegung, aus der die Methodistische Kirche hervorging.
„Als die Welt verloren“ aus Polen und das bekannte aus dem alten Österreich (Salzburg und Grafschaft Glatz) stammende Lied „Der Heiland ist geboren“ wurden zusammen mit den Instrumenten vorgetragen, die danach noch eine fröhliche weihnachtliche Weise spielten.

Die Gesangsgruppe fasste die im Konzert angesprochenen Gedanken und Stimmungen zusammen mit „Wieder naht der heil’ge Stern“ von Lorenz Maierhofer. Es folgte vom selben Komponisten das feine „Still zünden wir ein Licht nun an“. Während des Vortrags trugen Ben und Paula, zwei fünfjährige Kindergartenkinder, andächtig und konzentriert eine brennende Kerze nach vorne.

„Zu Bethlehem überm Stall“ erinnert in seiner volkstümlichen und abwechslungsreichen Gestaltung an die italienischen Hirten, die in der Barockzeit in den Städten zu Weihnachten ihre Pastoralen vortrugen.

Nach lang anhaltendem herzlichen Beifall erklang von Singgruppe und Männerchor gemeinsam die traditionelle Zugabe, die „Weihnachtsglocken“, bevor Sänger und  Besucher bei einem Gläschen Glühwein auf dem Kirchplatz den Abend nach- und ausklingen ließen und bereichert nach Hause gingen.

Das Einmaleins fürs Glücklichsein

Liederkranz Hellershof setzt bei seiner Frühjahresfeier neue Akzente – Zweimal volles Haus

Nie zuvor waren die Karten für die Frühjahrsfeier des Hellershofer Gesangvereins so begehrt wie dieses Mal. Was in Kaisersbach geboten wurde, hatte die große Resonanz tatsächlich verdient.

Jahresfeier 2015
Männerchor bei der Jahresfeier 2015

„Super wie immer“ lobte Hermann Witzig die Leistung des Männerchores, der traditionell den ersten Teil des Programms gestaltete. Witzig ist ein Mann vom Fach, er führte zwölf Jahre lang jenen Kaisersbacher Gesangverein, der jüngst nach 131 Jahren mangels Mitstreitern aufgelöst werden musste. „Es ist erstaunlich, was die Hellershofer zustande bringen“, musste er anerkennen. Chorleiter Wolfgang Hänle hatte aus dem gut 250 Titel umfassenden Repertoire der 21 Sänger neun Lieder ausgesucht, mit denen „verschiedene Bereich des menschlichen Lebens gestreift werden“ – Liebe und Leid, Genuss, Abschied, mal ernst, mal heiter, schmissig ebenso wie getragen, auf Deutsch, Italienisch und Französisch, von Mozarts „Ständchen“ bis zu Israels Siegertitel des Eurovision Song Contests von 1979, „Halleluja, sing ein Lied“.

Die „Eintracht“ führte vor, welch breites Spektrum konventioneller Chorgesang heutzutage haben kann. Auch mit der Leistung seiner engagierten Akteure war der pensionierte Lehrer Hänle durchaus zufrieden: „Besser als gut.“

Mit „Sandländer Fernsehgarten“ waren die beiden Vorstellungen in der Kaiersbacher Gemeindehalle überschrieben. Damit konnte eine eigene Version der beliebten Sonntagssendung des ZDF entwickelt werden. „Bunt wie ein Garten ist unser Programm, es soll Balsam für die Seele sein“, sagte Vorsitzender Günther Frank. Zusammen mit seiner Tochter Katja hatte er in bewährter Weise die stets mit großer Spannung erwartete volkstümliche Show arrangiert. 23 Punkte standen auf dem prallvollen Ablaufplan. Schon der fetzige Einzug ließ erahnen, wie schwungvoll die über anderthalb Stunden dauernde Revue ausfallen würden. Von Schlager über Volksmusik und Musical bis zum Rock ging der vergnügliche Spaziergang querbeet durch die Genres der Unterhaltung, inklusive Abstecher ins Komödiantische wie der schwäbischen Frauenpower „Mir roichts, das i woiss, i kennt, wenn i wollt.“ Auch eine Hommage an den verstorbenen Udo Jürgens, gefeiert als „einer der größten Künstler unserer Zeit“, durfte nicht fehlen.

Ensemble 2015
Jahresfeier 2015: Ensemble

Mit seinem Markenzeichen kopiert sich der Verein nicht selber, immer wieder aufs Neue werden erstaunliche Akzente gesetzt. Das war auch an der Kulisse abzulesen. Geriet das Bühnenbild bislang meist musikantenstadlartig, dominierte jetzt dekorative High-Tech mit Lichtkegeln in wechselnden Farben vor dem großformatigen Foto eines Mustergartens. Die Sandland-Stars liefen hier zur Bestform auf, selbst der Kleiderwechsel – häufiger als bei Helene Fischer – gehorchte professionellen Maßstäben.

Das Publikum ließ sich verzaubern bei diesem Ausflug in die sorgenlose Welt, wo die „Heimat im Herzen“ getragen wird und mit dem „Einmaleins vom Glücklichsein“ gerechnet wird, wie einzelne Titel als Lebensmotto empfahlen. Besonders beeindruckte Aylin Deiss, ein 15-jähriges Talent, das sich vor zehn Jahren erstmals auf die Bühne wagte. Ihre Gesangsausbildung kann als Grundstock für eine vielversprechende Karriere angesehen werden, auch wenn sie sich vielleicht doch lieber für den Fußball entscheiden sollte.

Koch Hardi Hänle 2015
Koch Hardi Hänle 2015

Für die Heiterkeit war vor allem Hardi Hänle zuständig. Bei seinem Kochkurs – es gab Grießschnitten – hätte selbst Johann Lafer noch etwas lernen können. Im wirklichen Leben hat es Hänle in fünf Jahren mit seiner Kultsendung „Heißer Herd“ im Freiburger Studentenradio „Echo FM“ zu einiger Berühmtheit gebracht.

Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller erlebte einen mehr als amüsanten Abend: „Ich bin immer wieder fasziniert und überrascht, wie eine relativ kleine Truppe so etwas Professionelles auf die Beine stellen kann – und alles live gesungen, das ist wirklich fantastisch.“ Wer keine der jeweils 366 Karten ergattert habe, „hat etwas verpasst“. Zu den Stammgästen zählen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Unterrot, der diesmal mit mehr als 40 Fans angereist war. Die Gemeindechefin ist sich auch des Werts der Frühjahrsfeier für das Renommee ihres Ortes bewusst:
„Ich bin stolz, dass der Gesangverein Hellershof sie in unserer Halle veranstaltet.“

Hans Georg Frank

INFO

Die Mitwirkenden

Für die Frühjahrsfeier verstärkt sich der sonst von Wolfgang Hänle geleitete Liederkranz mit
Sängerinnen und Musikanten. Auf der Bühne standen: Heinz Brückner, Aylin und Daniela Deiss,
Martin Fordinal, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Axel Hannemann, Anni Hirzel, Chris Macchini, Werner Rothweiler, Sonja Schmidt, Heribert und Karin Schwenger, Martin Thorwart, Bernd Weller, Monika Weller.

In Küche, Service und Technik waren über 50 Helfer eingespannt.

Sandland fand seine Superstars

Für nächste Jahresfeier des Liederkranzes Hellershof sind erste Karten schon bestellt

Der Hellershofer Gesangverein hat seine Fans wieder einmal begeistert, sofern sie überhaupt eine Karte bekommen haben. Zwei Vorstellungen der Jahresfeier waren in zwei Stunden ausverkauft.

Von Hans Georg Frank

Wäre Michael Segan nicht amtierender Bürgermeister von Alfdorf sondern Programmdirektor des SWR-Fernsehens, würde er die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins in voller Länge übertragen. Segan, zum zehnten Mal Gast bei der beliebten Veranstaltung in der Kaisersbacher Gemeindehalle, zeigte sich „total begeistert“ von der Leistung der Laien: „Die ganze Bandbreite der Volksmusik wird abgedeckt.“ Tatsächlich sind die Sandländer Sänger vom Fernsehen durchaus entdeckt worden. Ein Team aus Heilbronn hatte sich den Neuzugang des Liederkranzes, den US-Amerikaner Chris Macchini, für eine „Landesschau“-Reportage ausgesucht. Der 30-Jährige aus Chicago verstärkt erst seit November 2013 den Chor der „Eintracht“, hat sich aber in kurzer Zeit als Glücksfall erwiesen.

Chris Macchini
Chris Macchini

„Wir sind sehr stolz und glücklich, dass Chris zu uns gekommen ist“, erklärte Vorsitzender Günther Frank. Ihm ist sehr wohl klar, dass ein studierter Musiker wie Macchini auch einem Großstadt-Chor zur Ehre gereichen würde. Gerade einem Männergesangverein auf dem Land tue ein solch sympathisches Talent gut – und könne möglicherweise andere Hobbytenöre zum Besuch der Singstunde bewegen.

Chris Macchini ließ sich nichts anmerken von eventuellem „stage fright“, wie Lampenfieber in seiner Sprache heißt. Ob als Solist im Chor unter Leitung von Wolfgang Hänle oder in der populären Revue – dem Markenzeichen der „Eintracht“ – als Entertainer, er faszinierte das Publikum, auch weil er auf Starallüren verzichtete und sich optimal integrierte. „Ich habe eine Gänsehaut bekommen“, war selbst von Stammgästen zu hören.

Mit der Jahresfeier bewies der kleine Verein erneut, dass eine solche Ansammlung von Idealisten für die Zukunft bestens gerüstet ist. Beide Veranstaltungen waren innerhalb von zwei Stunden restlos ausverkauft. Diese Mischung aus herkömmlichem Liedgut und moderner Volksmusik, dieses Mal mit auffallend vielen rockigen Rhythmen, entspricht offenbar genau den Erwartungen der treuen Fans. Immerhin behauptet sich diese Leistungsschau seit 1973 und damit länger als der ZDF-Dino „Wetten, dass…?“, der 1981 auf die Bildschirme kam und jetzt mangels ausreichenden Interesses eingestellt werden muss.

JF_2014-4
Das Singteam des Liederkranz Eintracht Hellershof vor der Seiser Alm

Die Hellershöfer haben sich mit ihrer Art des Musikantenstadels geschickt mit anspruchsvollen Erwartungen ihrer Fans arrangiert. Sie blieben ihrer Linie treu, passten sie aber dem Zeitgeist an. Da wird an Details gefeilt, damit das Ganze noch besser zur Geltung kommt. Die Amateure bringen sich mit viel Herzblut ein, sie lassen ihren Spaß spüren, ziehen sich öfter um als Helene Fischer. Nicht zufällig hieß es jetzt in einem Lied, „heute ist ein schöner Tag, den jeder gerne mag“.

Günther Frank hat vor über 40 Jahren fast im Alleingang mit einem Experiment begonnen, als er die ausgetretenen Pfade der Präsentation verließ und Eigenständiges wagte. Nach und nach band er weitere Kräfte ein, verteilte Aufgaben auf mehreren Schultern und sorgt so für immer neuen Schwung. Viel Sorgfalt wird dabei auf eine passende Kulisse verwendet. Wenn für die Jubellieder auf Südtirol eine Miniausgabe der Seiser Alm gebraucht wird, dann baut Günter Köngeter mal eben eine stilvolle Hütte. Auch dafür ist das Publikum dankbar. „Wir haben schon Karten für das nächste Jahr bestellt“, verrieten Dietlinde und Gerhard Langer aus Wißgoldingen, „es ist ein großartiges Programm, ganz toll.“

Hans Georg Frank (hgf)

JF_2014-Alphorn

INFO

„Willkommen in Südtirol“ war die Eintracht-Feier überschrieben. Den Chor von Wolfgang Hänle begleitete ein Instrumentalensemble mit seinen vielseitig begabten Söhnen Hermann und Hartmut – sie sangen auch bei der Revue mit – sowie Sonja Schmidt (Oboe) und Bernd Büttner (Klavier). Die Ideen zur flotten Revue stammten von Katja Frank, die längst für das Ensemble unverzichtbar ist, und von Marina Banzhaf. Aylin und Daniela Deiss, Anneliese Hirzel, Monika Weller, Günther Frank, Chris Macchini Günter Wahl und Bernd Weller ließen die alpine Lebenslust in wechselnden Besetzungen hochleben. Die musikalische Leitung hatte Martin Fordinal, zu seinem Mini-Orchester gehören Heinz Brückner, Axel Hannemann, Werner Rothweiler, Karin und Heribert Schwenger.

Das Weihnachtskonzert des Liederkranzes Eintracht Hellershof in der Kirche in Hellershof

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Hänle

Alfdorf-Hellershof. Der Kirchenbesuch im Sandland gilt allgemein als überdurchschnittlich hoch. Doch so bis auf den allerletzten Platz besetzt wie beim Advents- und Weihnachtskonzert des Hellershofer Liederkranzes am Sonntagabend dürfte die Kirche nur bei ganz besonderen Anlässen sein.
„Es ist die stillste Zeit im Jahr“, sang der von Wolfgang Hänle geleitete Männerchor zu Beginn, von einer Instrumentalgruppe mit Flöte, Oboe, Viola, Cello und Cembalo begleitet. „Ja, stimmt das denn überhaupt? Wo haben Sie denn in letzter Zeit Stille erlebt?“, fragte Pfarrer Bauer in der Begrüßung die Besucher.
Er wünschte, dass der Konzertbesuch dazu beitragen möge, die Botschaft der Advents- und Weihnachtszeit zu verinnerlichen. „Bereit zu sein“, mit dieser Frage befasst sich das jugendbewegt-romantische Lied „Auf haltet euer Herz bereit“. Ein volkstümliches Musikstück leitete über zum schönen „Ave Maria“ von Jakob Arcadelt (1504 bis 1568), das an den Gruß des Engels Gabriel an Maria und an das Zusammentreffen von Maria mit ihrer Base Elisabeth erinnert. Sehr ausdrucksvoll vorgetragen wurde es vom gut besetzten Doppelquartett, ebenso wie das aus Mähren stammende „Seht, es kommt die heilige Zeit“.

liederkranz_weihnachtskonzert_2103
Der Männerchor eröffnet stimmgewaltig das Weihnachtskonzert in der Hellershofer Kirche.

Dass die von Martin Fordinal geleitete und begleitete gemischte Singgruppe, die bei den Jahresfeiern den zweiten Teil des Abends bestreitet, auch anders kann, zeigte sich bei Adventsliedern aus Tirol und einem harmonisch sehr interessanten Lied aus Schweden, teilweise in der Originalsprache, und sehr schön sprachlich und dynamisch ausgefeilt. Mit dem gemeinsamen „Macht hoch die Tür“ endete der erste Teil des Konzerts.

Hirtenlieder als Beispiele für Volksfrömmigkeit

Über die Hirten, die kleinen Leute von damals, steht in der Bibel wenig, obwohl sie zu den populärsten Gestalten der Weihnachtsgeschichte gehören. Deshalb, erklärte Pfarrer Bauer, hätten sich die Menschen ausgemalt, wie es denn damals gewesen sein könnte. Hirtenlieder vom Chor und vom Doppelquartett und eine Hirtenweise von der Instrumentalgruppe waren Beispiele dieser alten Volksfrömmigkeit: ein lateinisch-deutscher Wechselgesang von 1623 sowie Lieder aus Deutschland, Österreich und Ungarn.
Mit Weihnachtsliedern aus dem Salzkammergut, aus Böhmen, den Bahamas (mit Solist Bernd Weller) und aus England wurde ausgedrückt, dass Weihnachten überall ist. Aber am schönsten ist es jedoch in der vertrauten Heimat und in der Familie, so die Singgruppe in einem von ihrem früheren Betreuer Hans Predatsch überlieferten Lied. Mit dem „Weihnachtsstern“ nach griff die Singgruppe das Thema des dritten Adventssonntags, des Sonntags „Gaudete“ nochmals auf: „Freuet euch, der Herr ist nah“ und leitete über zum mächtigen mit geradezu Händel’scher Prachtentfaltung gestalteten Schlusschor mit Männerchor, Instrumentalgruppe, Orgel und Trompete „Freu dich o Welt“ nach einem der populärsten englischsprachigen Weihnachtslieder „Joy To The World“.
Das Publikum, das bisher andächtig und konzentriert der Musik und den verbindenden Worten Eberhard Bauers gelauscht hatte, gab nun seiner Freude und Dankbarkeit in langanhaltendem herzlichen Beifall Ausdruck. Chor und Singgruppe bedankten sich mit einer Zugabe – den besinnlichen, im Pianissimo endenden „Weihnachtsglocken“.

Aus „Moin Moin“ wird „buona sera“

Eine 40 Jahre alte Idee erweist sich noch immer als Erfolgsgarant. Der Hellershofer Gesangverein bewies dies bei der Jahresfeier, die so viele Besucher in die Kaisersbacher Gemeindehalle lockte wie nie zuvor.

Von Hans Georg Frank

Kaum jemand vermochte zu glauben, dass die Abkehr vom obligatorischen Theaterstückle zugunsten einer Musikrevue Marke Eigenbau auf Dauer das Publikum begeistern würde, als vor vier Jahrzehnten der experimentierfreudige Sandländer Liederkranz die ausgetretenen Pfad verließ. Inzwischen ist die Nachfrage nach Karten so groß geworden, dass sogar zwei Veranstaltungen nicht mehr ausreichen – in der Halle mussten zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Die Popularität ist einer bewährten Zweiteilung zu verdanken. Zunächst zeigt der Männerchor unter der Leitung von Wolfgang Hänle, wie gut er bei Stimme ist, dann entführt ein gemischtes Ensemble in eine Traumwelt aus Sehnsucht und Geborgenheit. Der 1899 gegründete Gesangverein verknüpft Tradition und Fortschritt, wenn er seine Version eines volkstümlichen Musikantenstadls öffnet.

Liederkranz Eintracht Hellershof
Der Liederkranz Eintracht Hellershof

Diesem System folgte die „Eintracht“ auch am letzten Samstag und Sonntag, als sie die Besucher mitgenahm zu einer musikalischen Reise von der Nordsee zur Adria. Hänles Männer hatten zur Einstimmung auf den ideellen Ausflug elf Lieder einstudiert, mit Hymnen auf den Rennsteig, die Mühle im Schwarzwälder Tal bis hin zu Santa Lucia im 1300 Kilometer entfernten Neapel. Die Zuhörer genossen auch das Wiederhören mit dem altbekannten „Pferde zu vieren traben“, einem Volkslied aus dem Tessin. Hänle hatte einen Teil des Repertoires ganz speziell für seine Tenöre und Bässe arrangiert.

Fast echter Küstensand, Muscheln, Seesterne, Strandkorb, Kapitänsmütze, Wanderrucksack, Flaschenpost, Schatzkiste mit Goldstücken, Fischermetze, dazu fernwehfördernde Bilder beliebter Urlaubsziele – in dieser Kulisse spielte sich der Kurzurlaub ab, den Vorsitzender Günther Frank mit seinen Akteuren inszenierte. Schon im Foyer wurden die „Eintracht“-Fans mit italienischem Ambiente empfangen: Vespa PX 80E, Gelati, doppelsitziges Riminirad. „Wir haben uns so auf euch gefreut, auf ein paar Stunden Gemütlichkeit“, ließ sich das erwartungsvolle Publikum beim schmissigen Auftakt mit programmatischer Ansage begrüßen.

Gelati 2013
Gelati in der Kaisersbacher Halle

Landestypisch hießen die Reiseleiter alle willkommen: Von „Moin moin“ der Nordseeküste über das „Grüß Gott“ an diversen alpinen Boden-, Wörther- und Wolfgangseen bis zum „buona sera“ an italienschen Gestaden.

Ein pralles Programm mit 23 Positionen, angereichert mit witzigen Einlagen, sicherte nahezu zweistündige Kurzweil fernab alltäglicher Mühsal. Immer wieder wurde das Publikum einbezogen, einigen Gästen wurde leckeres Eis und heißer Espresso serviert. Nordseewellen plätscherten an den Strand, Seeleute schwärmten von der Liebe im Hafen und der Reeperbahn nachts um halb eins, ehe das Etappenziel Berlin mit einer Tanzeinlage erreicht war. Die Lüneburger Heide bevölkerte Nachwuchsschäfer Christian (14) mit dem drei Wochen jungen Böckle Alfons aus

Jahresfeier 2013 Gabalier
Günter Wahl als Sandländer Ausgabe von Andreas Gabalier kam nicht ohne Zugabe aus der Halle.

In Heidelberg ging ein Herz verloren, das ein bayrisches Cowgirl entdeckt haben könnte. Als hüftschwingender Herzensbrecher bewährte sich Günter Wahl vom Ebersberg als die Sandländer Ausgabe von Andreas Gabalier beim fetzig-gefühlvollen „Sweet little Rehlein“ erneut so trefflich, dass der österreichische Volks-Rock’n’Roller seinen Auftritt in Heilbronn am 4. Oktober getrost dem Double überlassen könnte. Über Kastelruth, wo angeblich das Herz der Welt schlägt, erreichte die fröhliche Reisegesellschaft südliche Gefilde für ein temperamentvolles Finale mit italienischen Ohrwürmern wie „Marina“, „Azzurro“ und „Volare“. der 120-köpfigen Herde des Beutenhofes. Das knuffige Lämmchen erwies sich mit seinem ausdauernden „Mäh“ als stimmkräftige Verstärkung.

Stammgäste, die seit Jahren die Entwicklung der flotten Feier miterleben, waren sich weitgehend einig in ihrem Urteil: „Das war die beste Show.“

Für den Verein immer unter Strom

Rudolf Knödler singt seit 50 Jahren – Ehrungen auch für 40jährige Treue zur Hellershofer „Eintracht“

Drei besondere Ehrungen standen im Mittelpunkt des Familienabends des Hellershofer Gesangvereins. Ein Sänger hält dem Chor seit einem halben Jahrhundert die Treue, zwei Kameraden kommen seit 40 Jahren in die Singstunde.

Von Hans Georg Frank

Für Edeltraut Schurr, Geschäftsführerin des Chorverbands Friedrich Silcher, ist die Ära der Männerchöre noch lange nicht zu Ende. Auch wenn immer mal wieder der Abgesang angestimmt wird auf diese althergebrachte Form des Kulturschaffens, sieht die Fachfrau aus Welzheim bei den Liederkränzen doch eine positive Perspektive – „wenn sie Nachwuchs bekommen“. Für Gesangvereine seien, neben der Verbundenheit mit dem Liedgut, „nette Gemeinschaft und Zusammenhalt“ sehr wichtig, sagte Edeltraut Schurr beim Familienabend der Hellershofer „Eintracht“ in der Gaststätte Hagerwaldsee.

Die Geschäftsführerin war zu dieser traditionellen Zusammenkunft – stets verbunden mit leckerem Rehbraten – gekommen, um drei aktive Mitglieder besonders zu ehren. Gerhard Weller, 1. Bass und etliche Jahre auch stellvertretender Vorsitzender, war vor 40 Jahren von seinem früheren Schulkameraden und heutigen „Eintracht“-Chef persönlich an einem Sonntagmorgen angeworben worden. Der Hausbesuch mit direkter Ansprache hatte auch im Nachbarort Erfolg, konnte doch dort der Tenor Robert Knödler von den Vorzügen des gemeinschaftlichen Singens und Feierns überzeugt werden. Beiden Sängern überreichte Edeltraut Schurr die silberne Ehrennadel des Schwäbischen Chorverbands, der Liederkranz belohnte die Verbundenheit mit einem goldenen Notenschlüssel fürs Revers des Clubsakkos.

Ein halbes Jahrhundert lang gehört Rudolf Knödler schon zum lebenden Inventar des Sandländer Liederkranzes. Dabei hat er sich nicht allein als Tenor unentbehrlich gemacht, auch als Spezialist für elektrische Einrichtungen mag ihn niemand vermissen. Seinen Idealismus würdigte Edeltraut Schurr mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Chorverbands, vom Verein gab es zudem einen goldenen Notenschlüssel mit Brillant.

Foto: hgf
Auszeichnung durch Edeltraut Schurr vom Chorverband Friedrich Silcher (von links) Robert Knödler und Gerhard Weller für 40 Jahre im Hellershofer Gesangverein, Rudolf Knödler gehört seit 50 Jahren zur „Eintracht“, deren Vize-Vorsitzender Tobias Herrmann stolz auf solche engagierten Mitglieder ist.

„Singen macht nicht nur klug und warm, es ist auch gesund und kostet nichts“, betonte die Geschäftsführerin. Dabei konnte sie auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, singt Edeltraut Schurr doch bereits seit 50 Jahren im Liederkranz Lorch-Waldhausen. Von Amts wegen hat sie auch den Überblick über das Schaffen in 103 Vereinen. Dabei kann die Sandlänger „Eintracht“ ein Alleinstellungsmerkmal für sich in Anspruch nehmen: Nirgendwo sonst muss die Jahresfeier an zwei Abenden aufgeführt werden, weil das Interesse des Publikums an diesem unterhaltsamen Spektakel so groß ist.

Vorsitzender Günther Frank schwor seine Mitglieder samt Angehörige auf diese Veranstaltung am Wochenende nach Ostern in der Gemeindehalle Kaisersbach ein: „Nur gemeinsam sind wir stark, also halten wir zusammen.“ Der Rehbraten sollte denn auch als „Stärkung für bevorstehende Aufgaben“ verstanden werden.

 

INFO

Die Jahresfeier des 1899 gegründeten Gesangvereins findet am 6. und 7. April statt. Karten für die beliebte Leistungsschau des Amateurgesangs wird es im Vorverkauf geben. Die „Eintracht“ bietet Gastsängern die Möglichkeit zu aktiver Mitwirkung, wenn sie jetzt in die Singstunde (donnerstags in den Vereinsräumen im Schulhaus Hellershof) kommen. Danach kann man entweder dabei bleiben oder wieder seines Weges gehen.

40 Jahre im Verein

Drei Mitglieder des Liederkranzes Eintracht Hellershof sind seit 40 Jahren Stützen des Männerchores: Dirigent Wolfgang Hänle (Welzheim) sowie die beiden Sänger Walter Mürter (Birkhof) und Rudolf Maier (Hundsberg). Sie wurden im Rahmen einer Familienfeier in der Gaststätte Hagerwaldsee von Heinz Siegle, Vizepräsident des Chorverbands Friedrich Silcher, mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. „Diese Männer haben ihre singende Heimat beim Liederkranz gefunden – das verdient unsere Hochachtung“, sagte Siegle. Die Eintracht würdigte die Verdienste mit einem goldenen Notenschlüssel fürs Revers.

40 Jahre im Verein
Siegle lobte den Verein für seine bereichernde Arbeit im dünn besiedelten Sandland. Dass ein Chor mit nur 19 Sängern Beachtliches zustande bringen kann, sei aller Ehren wert, wie er aus eigener Erfahrung in seinem Verein, dem Liederkranz Weiler in einem Vorort von Schorndorf. Siegle stimmte denn auch aus vollem Herzen einer Anregung von Eintracht-Chef Günther Frank zu: „Singen ist so gesund, dafür müsste der Doktor eigentlich ein Rezept ausstellen.“
Die Eintracht bemüht sich weiter um Nachwuchs, wie Frank sagte: „Eine Handvoll neue Sänger, dann wären wir rundum zufrieden. Frank hält den Dampfer seit Jahrzehnten auf Kurs und würde zu gerne neue „Matrosen“ an Bord begrüßen, „ganz gleich welchen Alters“.  Der 1899 gegründete Verein ist keineswegs eine Ansammlung alter Männer, sind doch etliche Funktionäre durchaus noch junge Hüpfer – Franks Stellvertreter Tobias Hermann aus Gschwend ist gerademal 31 Jahre alt.
In der wöchentlichen Übungsstunde, immer donnerstags im Hellershofer Schulhaus, können Interessenten gerne mal probieren, wie viel Vergnügen das Singen in froher Runde bereiten kann.
Von Hans Georg Frank

„Mach ein Fest aus deinem Leben“

Schwungvoll-spaßige Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins mit Überraschungen

von Hans Georg Frank

Mit einer schwungvollen Revue erinnerte der Hellershofer Gesangverein bei der Frühjahrsfeier an sein einstiges Markenzeichen – das Sandlandfest, das vor 20 Jahren letztmals die Massen angezogen hat.

Als sich der nagelneue, 11 000 Eure teure, allen Feuerschutzvorschriften entsprechende Vorhang der Kaisersbacher Gemeindehalle öffnete, fühlten sich die Besucher in vergangene Zeiten versetzt. Auf der Bühne stand ein echtes Bierzelt, dessen Stirnseite zierte ein Spruchband mit dem Logo „Sandländer Frühlingsfest“, das originale Aushängeschild eines der erfolgreichsten Events des Welzheimer Waldes. Der Hellershofer Liederkranz lud bis 1992 immer an Pfingsten, gleichsam zur Eröffnung der Freiluftsaison, zu seinem „Treffpunkt fröhlicher Menschen“ ein. Der aus einem kleinen Gartenhock am Pfingstmontag hervorgegangene Massenmagnet geriet jedoch schließlich derart riesig, dass der kleine Verein die Organisation nicht mehr ohne fremde Hilfe schultern konnte – und die Notbremse zog.

Maennerchor
Der Männerchor bei der Jahresfeier 2012

An die Glanzzeiten dieses urigen Festes erinnerte die Eintracht am Wochenende mit einer Revue, die ungewöhnlich schwungvoll, schmissig und spaßig geriet. „Mit Musik geht alles besser“, hatte zuvor der Männerchor versprochen. Unter Leitung von Wolfgang Hänle stimmte er das Publikum mit einer eher selten gehörten Bearbeitung altbekannter Volksweisen ein, die noch vor wenigen Jahrzehnten feste Elemente des schulischen Musikunterrichts waren. Dazu gehörte „Lass doch der Jugend ihren Lauf“, jener Appell also, der damals beim Sandlandfest gar zu gerne befolgt wurde und letztlich zu dessen Ende führte.

Gesangsgruppe
Gesangsgruppe

Den erwartungsfrohen Fans, Stammgästen wie Neulingen, garantierte Vorsitzender Günther Frank „einen schönen Abend, an den sie noch lange denken werden“. Dafür hatte sich sein Team, allesamt Amateure, intensiv vorbereitet und auf freizeitliche Lustbarkeiten verzichtet. Rasch kam echte Bierzeltatmosphäre auf, der Gerstensaft wurde ohnedies stilgetreu in Steinkrügen ausgeschenkt. Um dem Original ganz nahezukommen, durfte der Kaisersbacher Bürgermeister Bodo Kern am Samstagabend ein Fass anzapfen.

Jahresfeier_Anstich
Bodo Kern beim Faßanstich

Für diese spritzige Tätigkeit war bei der Wiederholung am Sonntag seine Gschwender Kollegin Rosalinde Kottmann eingeplant.
Der Schunkelfaktor stieg mit jedem Lied. Die Akteure infizierten mit ihrer Lust am Vergnügen ihre faszinierten Zuhörer, als hätten sich diese einen der Titel als aktuelles Lebensmotto ausgesucht: „Mach ein Fest aus deinem Leben.“ Immer wieder überraschten lustige Einlagen auch abseits der Bühne. Zum Liebling des Abends wurde ein Doppelgänger – oder besser Doppelsänger – von Andreas Gabalier. Wie der kurzbehoste Steirer eroberte die Sandlandkopie Günter Wahl die Herzen der begeisterten Frauen, sein Hüftschwung brachte ihm reichlich Blumen und Bärchen ein. „I sing a Liad für di“ hätte das Original aus Graz kaum besser hinschmalzen können.
Der Erfolg der Jahresfeier dürfte kaum eine Auferstehung des legendären Sandlandfestes bewirken. Dafür fehlen dem seit 1899 bestehenden Liederkranz schlicht die Kräfte. Aber immerhin gab es ja in Kaisersbach die Mini-Version, zwei Stände mit Magenbrot und Mandeln inklusive.

 

INFO

Akteure auf der Bühne

Der Männerchor unter Leitung von Wolfgang Hänle wurde instrumental begleitet von Sonja Schmid, Bernd Büttner, Hermann und Hardy Hänle. Bei der von Günther Frank arrangierten 90-Minuten-Show begeisterten die zwölfjährige Aylin Deiss, Kornelia Brestel, Daniela Deiss, Katja Frank, Anni Hirzel, Monika Weller, Hermann Hänle, Hartmut Schurr und Günter Wahl sowie ein Doppelquartett des Männerchors. Für die zünftige Festmusik sorgten Martin Fortinal, Heinz Brückner, Axel Hannemann, Werner Rothweiler, Karin und Heribert Schwenger.

Fotos: Hans Georg Frank

Weihnachtsmusik

Fünf Weihnachtskonzerte am gleichen Sonntagabend, innerhalb weniger Kilometer in Gschwend, Alfdorf, Welzheim und Kaisersbach – und das in Hellershof mittendrin. Wenn das nur gut geht.

/ Wolfgang Hänle /

Wer befürchtet hatte, dass das diesjährige Weihnachtskonzert des Liederkranzes Eintracht in der Hellershofer Dorfkirche wegen der anderen Konzerte vor leeren Bänken stattfindet, konnte beruhigt sein: Als die Sänger zu den fröhlichen, fast beschwingten Klängen des G-Dur – Präludiums von J.S. Bach (BWV 541) in das adventlich geschmückte Gotteshaus einzogen, war dieses fast bis auf den letzten Platz besetzt. Und wer sich fragte, warum – außer aus banalen terminlichen Gründen – der dritte Adventssonntag für solche Konzerte besonders geeignet ist in der an sich eher besinnlichen Adventszeit, konnte die Antwort von Armin Ackermann erfahren. Der begrüßte in Vertretung von Pfarrer Bauer die Besucher.

Weihnachtskonzert
Weihnachtsmusik des Liederkranz

Nach dem von Orgel, Trompete und einer kleinen Instrumentalgruppe begleiteten festlichen Chor „Freu dich, o Welt …“ nach G.F. Händel wies er darauf hin, dass der dritte Adventssonntag traditionell den Namen „Gaudete“ trägt, also „Freuet euch“. Das bezieht sich auf Paulus, der im Philipperbrief schreibt: „Freuet euch … der Herr ist nahe.“ Die Lesung des Tages nach dem Propheten Zefania weist in die gleiche Richtung: „Juble Tochter Zion, jauchze Israel…“ könnte fast die Vorlage sein für das ebenfalls auf Händel zurückgehende Lied „Tochter Zion, freue dich“. „Alle Himmel singen …“ auf ein englisches Weihnachtslied zurück. Die Melodie ist aus einer Kantate von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Den Engelsgesang „Gloria in excelsis Deo“ konnte man anschließend in der Vertonung von Friedrich Silcher hören.

Der vor etlichen Jahren verstorbene langjährige musikalische Betreuer der Singgruppe, Hans Predatsch, hat für seine Schützlinge etliche Weihnachtslieder in einer schlichten, volkstümlichen Weise arrangiert. Drei davon wurden am Sonntagabend aufgeführt, von Martin Fordinal mit dem Akkordeon zurückhaltend und dezent begleitet. Das erste eher weltliche Weihnachtslied beschreibt die Gefühle der Menschen in der Weihnachtszeit, die sich nach Familie, nach Geborgenheit sehnen. Ein anderes stammt aus der Karibik, ein weiteres aus der Steiermark, das die Szene der Herbergssuche in eine verschneite Alpenregion verlegt. Und das letzte, „Susani“, stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Auch die Vorträge des Männerchores, nicht wenige mit Instrumentalbegleitung, bewegten sich zwischen neueren Kompositionen, klassischen Weihnachtsliedern und weihnachtlichen Volksliedern aus dem deutschen Sprachraum und seinen Nachbarn. Das vereinseigene Doppelquartett konnte mit ausgefeilter Dynamik überzeugen bei dem herzhaften „Freu dich Erd und Sternenzelt“ und dem feinen „Heilige Zeit“. An die Ankündigung der Geburt Jesu und die Begegnung von Maria und Elisabeth erinnert das lateinische „Ave Maria“. Es wurde im Originalsatz des Niederländers Jakob Arcadelt aus dem 16. Jahrhundert vorgetragen. Der Chor konnte mit dem Originalsatz von Michael Prätorius eines der schönsten deutschen Weihnachtslieder darbieten.

Unter den Weihnachtsmusiken ist die Hirten-Sinfonie aus Händels „Messias“, den die Instrumente musizierten, eine der bekanntesten. Günther Frank erinnerte in seinem Schlusswort an das, weshalb überhaupt Weihnachten gefeiert wird: „Der Heiland ist geboren…“ Schön, dass auf Bitten des Vereins das Programm nicht durch Applaus unterbrochen wurde. Nach diesem volkstümlich-herzhaften, aber auch sehr feierlich instrumentierten Lied brach sich der Beifall dann Bahn, so lang und herzlich, dass die traditionelle Zugabe aufgelegt wurde, die „Weihnachtglocken“. Danach sammelten sich die Besucher auf Einladung des Vereins zu einem Gläschen Glühwein auf dem Kirchplatz, um den schönen Abend bei vielen guten Gesprächen noch ausklingen zu lassen.

 

Als Instrumentalisten wirkten mit: Nina Tanzer (Flöte),  Florian Klasen (Oboe), Hartmut Hänle (Bratsche) und Hermann Hänle (Cello und Trompete) sowie Daniel Schurr (Orgel).  Die Leitung hatte Wolfgang Hänle.

Sandländer Musikantenstadel

Geburtstagsständchen der besonderen Art für die Schwäbische Waldbahn

Die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins geriet am Wochenende zu einem musikalischen Tourismusprospekt. Sympathisch beworben wurden der Schwäbische Wald im allgemeinen und die Waldbahn im besonderen.

 

Für Wolfgang Hänle, den Ex-Schulmeister vom Hellershof, ist die als Leistungsschau zu verstehende Jahresfeier seines Gesangvereins stets eine besondere Herausforderung. Üblicherweise bestreitet er mit dem Männerchor der „Eintracht“ den ersten, meist klassisch-getragenen Programmteil. Das war auch am Wochenende in der Kaisersbacher Gemeindehalle so. Die Tenöre und Bässe stimmten, teilweise mit Instrumentalbegleitung und in französischer Sprache, motivierende Lieder unter der Devise „Hinaus in den Mai“ an. Der Chorleiter signalisierte seinen Männern mittels erhobenem Daumen, dass er mit allen sieben Liedvorträgen mehr als zufrieden war. Das Publikum war sich mit ihm darin einig.

Dieses Mal freilich tauchte der vitale Pensionär auch im zweiten, eher folkloristisch geprägten Programmteil auf. Diese populäre Show stand ganz im Zeichen eines ungewöhnlichen Jubilars. Weil die erst letztes Jahr nach langem Dornröschenschlag wachgeküsste Zugstrecke von Rudersberg nach Welzheim heuer ihren 100. Geburtstag feiern kann, huldigte der Sandländer Liederkranz ihr mit einer sympathischen Würdigung. „In einer Zeit der Konflikte und Katastrophen bekommen die kleinen Freuden einen großen Stellenwert“, betonte Vorsitzender Günther Frank, der in bewährter Manier diesen Abstecher in eine heile Welt ausgearbeitet hatte.

Mit fast echtem Dampf und originalgetreuen Pfiffen – eine Version im Miniformat stand im Foyer der Halle – nahmen die munteren Akteure das Publikum mit auf einen Ausflug in die Heimat. Eigentlich, so die Botschaft der kompetenten Wander- und Reiseführer, hätten die Gleise über Welzheim hinaus verlängert werden müssen, um Sehenswürdigkeiten wie Schwabenpark, Ebnisee, Hägelesklinge, Heinlesmühle besser erreichen zu können. Für alle Stationen wurden stimmungsvolle Lieder aus der Folklore-Schublade geholt und mal heiter, mal melancholisch inszeniert.

Als erste Passagiere anno 1911 kostümierten sich Hermine und Wolfgang Hänle bei der Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins
Als erste Passagiere anno 1911 kostümierten sich Hermine und Wolfgang Hänle bei der Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins

Wolfgang Hänle und seine Frau Hermine agierten dabei in stilvoller Kostümierung als die ersten Passagiere, ebenfalls mit hausgemachten Sketchen traten sie zum allgemeinem Vergnügen als zeitgenössische Radwanderer auf. Auch die Söhne Hermann und Hartmut griffen vielseitig aktiv ein, mal als Schaffner und Adonis, mal als Liebhaber und Moderator. Gerne wäre auch Bruder Hans mit von der Partie gewesen, aber der Weg aus Detroit (USA) nach Kaisersbach war halt ein bisschen weit.

Was auf und vor der Bühne geboten wurde, begeisterte auch den neuen Welzheimer Bürgermeister. Mit Thomas Bernlöhr war erstmals in über 30 Jahren der Rathauschef der Waldmetropole zur Jahresfeier gekommen. „Das war wie eine dreistündiges Feuerwerk“, fasste er seine Eindrücke zusammen, „von einem klassischen Männergesangverein habe ich einen solchen Sandländer Musikantenstadel nicht erwartet.“ Zeigte er sich bereits von der „Chormusik mit sehr schöner Begleitung“ angetan, so gefiel ihm die gelungene Werbung für den Welzheimer Wald noch mehr: „Das Niveau hat mich positiv überrascht, das war sehr professionell gemacht, ich fand es richtig Klasse.“

Bei der Geburtstagsshow für die Schwäbische Waldbahn gaben adrette Frauen in schönen Dirndln den Ton an.
Bei der Geburtstagsshow für die Schwäbische Waldbahn gaben adrette Frauen in schönen Dirndln den Ton an.

Der Bürgermeister kann sich durchaus vorstellen, dass diese Show keine Eintagsfliege bleibt, also nur an einem Wochenende gezeigt wird: „Man könnte das doch auch im Zug oder an der Strecke aufführen – daraus lässt sich mehr machen.“

 

INFO

Sänger und Musiker

 

Bei der Eintracht-Show unter Leitung von Günther Frank wirkten als Sänger und Musiker mit: Conni Brestel, Heinz Brückner, Daniela und Aylin Deiss, Martin Fortinal, Katja Frank, Axel Hannemann, Hartmut, Hermann, Hermine und Wolfgang Hänle, Anneliese Hirzel, Werner Rothweiler, Hartmut Schurr, Herbert und Karin Schwenger, Günter Wahl, Monika Weller.

 

Text und Fotos: Hans Georg Frank