„Lasst uns den Moment genießen“

Jahresfeier des Gesangvereins Hellershof mit einzigartigem Bühnenprogramm und Freibier
Gschwend. Von unserem Korrespondenten Hans Georg Frank.

Der Hausherr war ganz aus dem Häuschen. „Ich bin total geflasht“, gestand Jochen Ziehr.
„Ich bin stolz, dass der Liederkranz Hellershof seine Jahresfeier hier bei uns in der Gemeindehalle feiert“, betonte der Gschwender Bürgermeister, seine Wertschätzung für „eine wunderbare Darbietung und geile Stimmung über zwei Tage hinweg“ ausdrückte. „Da wird richtig viel Herzblut investiert, es stimmt einfach alles, schon mit der tollen Deko am Eingang spürt man die Liebe zum Detail.“
Was Ziehr zum dritten Mal begeisterte, war eine Gesamt- und Glanzleistung des Hellershofer Gesangvereins, der sich seit 1974 regelmäßig selbst überbietet. Zwar bleibt das Konzept – Auftakt mit dem Männerchor, Hauptteil mit Singgruppe und Kapelle – weitgehend gleich. Doch in der aktuellen Ausführung gelingt es den engagierten Akteuren immer wieder aufs Neue, ihr treues Publikum an zwei Abenden mit einer fantastischen Inszenierung zu überraschen.

Männerchor
Letztmals unter Leitung von Gabriele Schnattinger: Der Männerchor stimmte auch fremdsprachige Lieder an.

Für den traditionellen Auftakt der Männer hatte Chorleiterin Gabriele Schnattinger acht Stücke mit solistischen Einlagen eingeübt, die nicht aus Liederkranz-Mottenkisten stammten.
Begleitet von Bernd Büttner an der Clavinova gehörten dazu „Alt wie ein Baum“, der Top-Hit der einstigen DDR-Rockgruppe Pudhys, ebenso wie Hannes Waders unvergessliches
„Heute hier, morgen dort“ und „Memory“ aus dem Musical „Cats“. Auch polyglott wussten die Hellershofer zu überzeugen: „Country Roads“ auf Englisch, „Belle Rose du Printemps“ auf Französisch, „La Mula de Parenzo“ auf Italienisch. Für die Dirigentin war es der letzte Auftritt, möchte sie doch künftig mehr Zeit für sich haben. Der Gesangverein regelt also gerade die Nachfolge.
Mit 17 Titeln in wechselnder Besetzung bot die Singgruppe 90 Minuten lang Unterhaltung vom Feinsten. Ohne Playback, ohne Tricks wie Branchenprofis, stattdessen alles live und
herzlich wie eben von leidenschaftlichen Amateuren gewohnt. „Lasst uns den Moment genießen“, forderte Katja Frank auf. Die Vorsitzende hatte mit der Erfahrung einer Eventmanagerin für ihr sympathisches Talente-Team eine einzigartige Show unter
dem Motto „Heimatklänge und Schlagerbeats“ zusammengestellt. Wenigstens für einen Abend sollten Kriege, Konflikte und Krisen vergessen sein. Das Spektrum reichte von den volkstümlichen Kastelruther Spatzen bis zum Weltstar Michael Bublé. Mal sentimental, mal schmissig und partytauglich, der wertvolle Kraftstoff für Herz und Gemüt war fein abgestimmt.

Die Singgruppe des Hellershofer Vereins wuchs dank einer großartigen Band über sich hinaus.
Die Singgruppe des Hellershofer Vereins wuchs dank einer großartigen Band über sich hinaus.

Erstaunlich, wie unbefangen und mitreißend sich die Freizeitkünstler in Szene setzten.
Geschickt bezogen die Amateure das erwartungsvolle Publikum ins Bühnengeschehen ein. Dieses bekam nicht nur viel zu hören, es gab auch reichlich zu sehen, schienen doch die Stars vom Sandland ihren Kleiderschrank für häufig wechselndes Outfit von der Tracht bis zur Abendrobe geplündert zu haben.
So unterschiedlich die beiden Elemente des dreistündigen Programms auch waren, Chor und Singgruppe brillierten mit einer Feier aus einem Guss. Ermöglicht wurde das Gastspiel
in Gschwend auch dank eines Grossaufgebots an Ehrenamtlichen in Küche und Service.
Für Bürgermeister Ziehr stand fest: „Das ist jedes Mal etwas Besonderes.“ Ihm war eine hammermäßige Aufgabe bei einem speziellen Clou zugedacht. Er durfte sich beim Anstechen eines Bierfasses aus Heubach spritzschutzsicher profilieren. Bei der
Premiere am Vortag gelang dies seiner Vor- Vorgängerin Rosalinde Kottmann schon souverän. Das Freibier wurde ausgeschenkt in Originalkrügen vom Sanderländer Frühlingsfest, das 1992 eingestellt werden musste, weil der kleine Verein als Gastgeber von den Massen schlicht überrannt worden ist. Der Gratisschluck erinnerte an die Großveranstaltungen, die viele Gäste im Gedächtnis als fantastisches Erlebnis gespeichert haben – wie jetzt wohl auch die Jahresfeiern. Fans haben den Termin am Wochenende nach Ostern vermutlich schon geblockt.

Wahrscheinlich steht dann schon begabter Nachwuchs auf der Bühne. In Gschwend hat sich der unerschrockene Levi, Sohn von Sänger Tobias Hermann, mutterseelenallein auf die Bühne getraut und tüchtig mitgesungen. Katja Frank hat der Achtjährige verraten, dass Musik seine Leidenschaft ist und er gerne mitsingt.

INFO
Bei der handgemachten Revue wirkten mit:
Aylin und Daniela Deiss, Katja Frank, Linda Hudelmaier, Monika Weller, Günther Frank,
Christopher Macchini, Sascha Wahl, Bernd Weller.

Die gefeierte Band unter Leitung von Martin Fordinal, der auch alle Titel passgenau
arrangierte, bildeten Katharina Presser, Amadeus Bauer, Marcel Degout, Lukas Dreher, Hardi Hänle (der als Multitalent auch sang) und erstmals Dietmar Schulz.